Gabba, Gabber, Hacke
Verfasst von besprechung am Mittwoch 9. April 2008
Da ich grad mal wieder einen kleinen Gabber-Flash hatte, führte mich mein Weg durchs Internet auch mal wieder auf wikipedia und wie so oft konnte ich dort wieder feststellen, dass dort viel zu oft Ahnungslose Mitmenschen ihren Senf veröffentlichen
Da steht z.B. gleich als Einleitung (leicht verkürzt):
Gabber ist eine Variante des Hardcore Techno mit ca. 150 bis 190 bpm. Charakteristisch für Gabber sind verzerrte, lang ausklingende Bassdrums, oft von der TR-909. Begleitend kommen grobe, harte und synthetische Klänge und Samples hinzu.
Mal ganz davon abgesehen, dass das so formluliert ist, als wären Gabber-Songs extrem simpel aufgebaut und hätten nur wenige Samples und Tonspuren zu bieten, stimmt auch das Tempo vorn und hinten nicht. Das was die dort beschreiben, ist eigentlich eher normaler Hardcore-Techno, also das Obergenre des Gabber. Auch wenn die Grenzen zwischen Hardcore und Gabber extrem verschwommen sind und auch die Fans zumeist neben normalem Hardcore auch Gabber hören, so glänzte das Untergenre Gabber selbst jedoch schon in seinen Anfängen, also lange bevor es die ersten mp3s gab, dadurch, dass die Komponisten ihre Stücke teilweise in digitaler Form als Dateien für Sampler (dfm, xm) veröffentlichten und da waren 32 gleichzeitig(!) genutzte Tonspuren keine Seltenheit – ein Hammer, wenn man sich das dann mal anhörte und gleichzeitig ansah
Außerdem ist Gabber in der Regel um Welten schneller, als uns Wikipedia suggerieren möchte: Gabber geht nämlich eigentlich erst bei über 180 bpm (Beats per Minute) los, 220-250 bpm sind die Regel und auch noch schnellere Songs findet man auf dem ein oder anderen Sampler.
So falsch, wie es anfing, so falsch geht’s dann auch gleich weiter:
Vor allem die Sampler der Reihe Thunderdome, welche auch in TV-Spots beworben wurden, trugen viel zu der Verbreitung von Gabber bei.
Jeder Kenner der Szene fällt da vor Lachen auf den Popo
Keine Frage, die Thunderdome-CDs waren früher sehr beliebt und sind dies auch unter Gabber-Hörern heute noch. Sicher haben sie auch einige neue Gabber-Freunde hervorgerufen und dennoch wäre es mir neu, dass auf den Thunderdomes Gabber auffindbar wäre – das ist nämlich alles “nur” normaler Hardcore. Echte Gabber-Veröffentlichungen waren die Terrordrome-Reihe oder auch der Sampler Industrial Strength, mehr fallen mir spontan leider auch nicht ein, ich höre den Kram in den letzten Jahren halt einfach zu selten
Immerhin ist die Aussage
Im Internet findet man viele Heim-Produzenten, die ihre produzierten Gabber-Tracks kostenlos zum Download anbieten.
völlig korrekt, schließlich gilt diese für die gesamte Technoscene und dabei vor allem für die im Mainstream weniger gefragten und größtenteils antikommerziellen Scenerichtungen wie Gabber oder auch Goa. Auch die erwähnten zum Teil sehr trashigen Elemente treffen durchaus auf einen großen Teil der Titel zu – aber eben bei weitem nicht auf alle.
Ebenfalls völlig daneben ist der überdimensionierte Rassismus-Bereich auf Wikipedia zum Thea Gabber. Keine Frage, es gab da einige Probleme und rechtes Publikum hört nun mal auch verschiedene Musikrichtungen “normaler” Leute. Sicherlich haben sich manche von denen auch durch die gängigen scheinbaren(!) Terror-Verherrlichungen auf den T-Shirts der Gabber-Fans angezogen gefühlt. Die ganzen Terror-Sprüche sind aber vielmehr als (musikalischer) Gegenpart zum Mainstream und keinesfalls gewaltverherrlichend gedacht. Insofern ist eigentlich jedem Scenekenner bewußt, dass Gabber nichts mit dem rechten Kram am Hut hat. Da dies allerdings in der Vergangenheit in den Medien immer wieder mal falsch dargestellt wurde, mußte irgendwann auch die Scene öffentlich Farbe bekennen. Nunja, so ist das eben …
Wenigstens wurde auf Wikipedia die Wortherkunft für den Begriff Hacke größtenteils richtig beschrieben:
Als „Hakke“ (niederländisch für „hacken“, im gleichklingenden Slang auch „Hakkûh“) wird der Tanzstil zum Gabber/Hardcore Techno bezeichnet. Die ruckartigen Bewegungen, bei denen ein Fuß im Takt der Bassline hinter den anderen bewegt wird, sehen aus, als würde man rückwärts auf der Stelle stampfen. Charakteristisch wird meist ausschließlich auf der Hacke des Fußes getanzt. Die Geschwindigkeit hängt von der Beatanzahl pro Minute (bpm) ab, generell vollzieht man einen Tritt pro Bassschlag.
Auch nannte sich eine auf Gabba und Hardcore spezialisierte Musikzeitschrift, die in der Mitte der 1990er Jahre in Chemnitz veröffentlich wurde, „Hakke“.
So weit so gut – nur stellt sich dann die Frage, was Hacke für eine Bedeutung in dem bekannten “Gabber-Schlager” Pelle ist Hacke einnimmt. Wer das Teil kennt, weiß, das in dem Lied die zweite und wohl wichtigere Bedeutung von Hacke erklärt wird – nämlich das wie auch immer verursachte “neben-sich-stehen”
Zum Vergleich noch ein typisches Gabber-Liedchen: Industrial Strength – Shaftman und ein typischer Hardcore-Titel: Source Code – I’m not a number und zu guter Letzt noch ein Happy-Hardcore-Titel, bei dem die Interpretenoptik auch leicht erklären dürfte, weshalb in der öffentlichen Meinung Gabberfreaks fälschlicher Weise schnell mal in die rechte Ecke gestellt werden: Gabber Piet – Hakke en Zage.
Aber wollen wir mal die riesige Online-Enzyklopädie nicht zu schlecht machen: bei der Unterscheidung Gabber/Hardcore tut sich auch die Scene selbst recht schwer und sehr häufig wird mal eben beides in einen Topf geworfen und auch die später erst namentlich in Erscheinung getretene Hardcore-Richtung Speedcore gehört wiederum eigentlich zum Gabber und trägt dennoch eine eigene Bezeichnung. Lustig ist die schnelle Technowelt